Die Abtei Saint-Bertin in Saint-Omer war im Mittelalter eine der bedeutendsten Abteien Nordfrankreichs. Die berühmte Benediktinerabtei wurde im 7. Jahrhundert gegründet und hatte eine lange und komplizierte Geschichte, die mit vielen ähnlichen Einrichtungen vergleichbar ist. Ihre Bekanntheit und ihr Reichtum ermöglichten natürlich die Durchführung ehrgeiziger Kunstprogramme, und ihr Prestige weckte die Großzügigkeit zahlreicher Spender, die dieser mächtigen Stiftung kostbare Gegenstände als Zeugnisse ihrer Verehrung schenken wollten.
Unter den Werken, die einst zum Schatz von Saint-Bertin gehörten, ist das Kreuz, von dem heute nur noch der Fuß im Museum von Saint-Omer aufbewahrt wird, ein beredtes Zeugnis für das Qualitätsniveau der Objekte, die einst diese Orte bevölkerten.
Dieses seltene Werk gehört zur sogenannten "maasländischen" Produktion, zu der Werkstätten gehören, die entlang des Maastals, aber auch in Nordfrankreich und bis nach Holland tätig waren. Das Dekor der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gefertigten Skulptur besteht aus Glasuren, die für die in diesem Kontext entwickelte Technik sehr repräsentativ sind, und aus Rundplastiken. Das ikonographische Repertoire umfasst die Darstellung der vier Evangelisten sowie Szenen aus dem Alten Testament, die die Kreuzigung vorwegnehmen oder das Thema der Erlösung ansprechen.
Der Kreuzfuß von Saint-Bertin ist ein unbestrittenes Meisterwerk der maasländischen Werkstätten.
